Wolf

wolfEuropäischer Wolf

Canis lupus lupus

Der Wolf lebt im Rudel, das aus dem Elternpaar und deren Nachkommen besteht. Junge Wölfe bleiben zunächst bei den Eltern und unterstützen sie bei der Aufzucht der neuen Welpen. Mit der Geschlechtsreife (2 Jahre) wandern sie ab und suchen ihr eigenes Revier.
Jedes Rudelmitglied hat seinen Platz in der Familienhierarchie. Jeder Rang hat seinen eigenen Namen. Die Rudelgröße ist abhängig von Beutegröße & Vorkommen.
Das Alpha – Paar führt das Rudel an und hält es zusammen. Nur diese ranghöchsten Tiere bekommen Nachwuchs.

wolf

Die Beta-Wölfe (durchschnittlich 1-3 Tiere) sind dem Alpha-Paar untergeordnet, stehen aber über den anderen Rudelmitgliedern. Man kann sie als Stellvertreter des Alpha – Paares bezeichnen. In Anwesenheit eines ranghöheren Tieres zieht er Kopf und Schwanz ein. Gamma-Tiere sind überwiegend Jungwölfe oder ehemalige Alpha-Tiere. Ihre Hilfe bei der Aufzucht der Welpen ist entscheidend für das Überleben der Jungtiere. Sie haben eine eigene Rangordnung und es kommt oft zu Rangeleien. Der Omega – Wolf ist das rangniedrigste Tier und ist oft Zielscheibe von Aggressionen. Er war oft vor der Degradierung ein Alpha– oder Beta-Tier. Es ist nicht in jedem Rudel zu finden. Rangniedrige Wölfe halten sich in der Nähe des Rudels auf, da einzelne, schwache Tiere nicht überlebensfähig sind. wenn, dann wandern starke Tiere ab. Welpen stehen außerhalb der Rangordnung.

Gewicht: 30 - 50 kg
Lebensalter: bis 20 Jahre Höchstalter in Menschenobhut
Tragzeit: 63 Tage
Wurfgröße: 3 - 13 Welpen (Ø 4 - 6 Welpen)



                                      Wolf Science Center

Wolfsforschung im WildPark Schloss Tambach durch das Wolfsforschungszentrum Ernstbrunn


Das Verhalten von Wölfen und insbesondere ihre sozialen Strukturen sind schwierig in der Wildnis zu erforschen, da Wölffe sehr scheue Tiere sind, Menschen meiden und meistens in bewaldeten Gebieten leben In der Gefangenschaft dagegen sind die Rudel oft klein und aus mehreren unverwandten Tieren zusammengesetzt und spiegeln deswegen den natürlichen "erweiterten Familienkreis", wie er in der Wildnis vorkommt, nicht wider.

Im Wildpark Tambach besteht das Rudel aus einem Zuchtpaar und deren Nachwuchs aus mehreren Generationen und ist also einer großen Familie. Die Größe des Rudels und die Verwandtschaftsverhältnisse machen den WildPark zu einem besonders interessanten Ort, um die soziale Dynamik der Wölfe zu beobachten.


Seit 2015 bietet der WildPark Studenten und Forschern des Wolfsforschungszentrums (WSC) in Ernstbrunn, Österreich (www.wolfscience.at) die Möglichkeit, verschiedene Aspekte des Wolfverhaltens zu erforschen.

Das Wolfsforschungszentrum ist ein einzigartiges Forschungsinstitut, in welchem Wölfe sowie Hunde gehalten und in Bezug auf ihr Verhalten und ihre Kognition untersucht werden, während das erworbene Wissen interessiertem Publikum weitervermittelt wird. Die Wölfe und Hunde wurden hier in ähnlicher Weise aufgezogen und leben in Rudeln mit ihren Artgenossen in großen Ausläufen. Im Gegensatz zu den Wölfen im WildPark Tambach, bestehen die Wolfsrudel im WSC nicht aus dem klassichen "erweiterten Familienkreis" und sind zudem auch relativ klein. Gleichzeitig wurden sie auch mit Menschen stark sozialisiert, um mit ihnen zu arbeiten.

Deshalb ist es für uns eine gute Gelegenheit, unsere Forschung auf das Rudel in Tambach auszuweiten und so einen besseren Einblick in das Sozialverhalten von Wölfen zu erlangen.

Die Hauptthemen, mit denen wir uns im WildPark Tambach beschäftigen sind:

1) die soziale Struktur und Dynamik des Rudels, vor allem die hierarchische Struktur und freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Rudelmitgliedern. Wir wollen herausfinden, wie diese Beziehungen aufrechterhalten werden und wie sie sich im Lauf der Zeit entwickeln.

2) wie Welpen ihre BIndung zu ihren Wurfgeschwistern und älteren Rudelmitgliedern festigen und wie sich diese Beziehung im Laufe der Zeit verändern. Insbesondere sind wir daran interessiert, wie das Spielverhalten von Welpen die spätere Rolle im Rudel beeinflusst.

3) wie Konflikte im Rudel vermieden oder gelöst werden (Konfliktmanagement), um die BIndungen innerhalb des Rudels zu stärken und den sozialen Zusammenhalt zu erhalten.

4) in der Wildnis und auch im WildPark fressen die Wölfe gemeinsam an großen Kadavern. Diese Situation erfordert ein hohes Maß an Toleranz gegenüber anderen Rudelmitgliedern und eine klare Regelung, wer wann Zugang zur Nahrung erhält. Wir wollen herausfinden, wie die einzelnen Beziehungen der Rudelmitglieder deren Zugang zur Nahrungsquelle beeinflussen.